Artemisia annua – auch Einjähriger Beifuß genannt – beschäftigt die Pflanzenforschung schon seit vielen Jahren.
Der Grund dafür ist vor allem ihre besondere Zusammensetzung. Neben dem bekannten Pflanzenstoff Artemisinin enthält Artemisia annua verschiedene Flavonoide, ätherische Bestandteile und weitere sekundäre Pflanzenstoffe.
Doch was macht die Pflanze für die Forschung so interessant? Wir betrachten zehn körperbezogene Bereiche, die derzeit untersucht werden.
1. Schutz vor oxidativem Stress
In unserem Körper entstehen laufend sogenannte freie Radikale. In einer ausgewogenen Menge gehören sie zu normalen Körpervorgängen. Werden es jedoch zu viele, spricht man von oxidativem Stress.
Laboruntersuchungen zeigen, dass Artemisia-annua freie Radikale abfangen kann. Dabei scheinen unter anderem enthaltene Flavonoide eine Rolle zu spielen.
2. Entzündungsprozesse im Körper
Entzündungen sind zunächst eine natürliche Schutzreaktion des Körpers. Sie helfen dem Organismus beispielsweise dabei, auf Verletzungen oder Krankheitserreger zu reagieren.
Problematisch können Entzündungen werden, wenn sie dauerhaft bestehen oder falsch gesteuert werden.
In Zell- und Tierstudien konnten Artemisia-annua-Extrakte bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe beeinflussen. Dazu gehörten unter anderem Signalstoffe wie TNF-α und verschiedene Interleukine. Das ist wissenschaftlich interessant, stellt aber noch keinen Nachweis einer entzündungshemmenden Wirkung beim Menschen dar.
3. Gelenkbeschwerden
Ein kleiner Teil der Forschung beschäftigt sich mit möglichen Auswirkungen bestimmter Artemisia-annua-Extrakte auf Gelenkbeschwerden.
In einer kleinen, zwölfwöchigen, placebokontrollierten Studie wurde ein standardisierter Artemisia-annua-Extrakt bei Menschen mit Hüft- oder Kniearthrose untersucht. Bei einer der getesteten Dosierungen wurden Verbesserungen bei den Schmerzen beobachtet.
Die Untersuchung war jedoch nur eine kleine Pilotstudie.
4. Beweglichkeit und Gelenksteifigkeit
Bei Gelenkbeschwerden geht es nicht nur um Schmerzen. Auch Steifigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit können den Alltag erschweren.
Die genannte Pilotstudie untersuchte deshalb ebenfalls verschiedene Werte rund um die Funktion der Gelenke. Die Ergebnisse liefern einen ersten Forschungsansatz, reichen aber nicht aus, um Artemisia annua allgemein für Gelenke zu empfehlen.
5. Leberbezogene Blutwerte
Die Leber ist an zahlreichen Vorgängen beteiligt. Sie verarbeitet Nährstoffe, baut verschiedene Stoffe ab und spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel.
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie wurde ein standardisierter Artemisia-annua-Wasserextrakt bei Personen mit leicht bis mäßig auffälligen Leberwerten untersucht. Dabei wurden Veränderungen bestimmter Leberenzyme festgestellt.
6. Regulierung des Immunsystems
Das Immunsystem muss sehr genau arbeiten: Es soll auf Gefahren reagieren, den eigenen Körper aber möglichst nicht angreifen.
Verschiedene Inhaltsstoffe aus Artemisia annua werden darauf untersucht, wie sie bestimmte Immunzellen und Botenstoffe beeinflussen.
7. Wechselwirkungen mit Mikroorganismen 🦠
Artemisia annua wird auch auf mögliche Wechselwirkungen mit Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen untersucht.
In Laborversuchen zeigten bestimmte Extrakte eine Aktivität gegenüber ausgewählten Bakterien aus dem Mundraum. Solche Ergebnisse zeigen jedoch nur, was unter kontrollierten Laborbedingungen passiert.
8. Hautbarriere und gereizte Haut
Auch in der Hautforschung spielt Artemisia annua eine Rolle.
In Zell- und Tiermodellen wurde untersucht, ob ein Artemisia-annua-Extrakt bestimmte Entzündungsbotenstoffe beeinflusst und die Bildung von Bestandteilen der Hautbarriere unterstützt. Dabei zeigten sich interessante Ergebnisse bei Modellen für gereizte und juckende Haut.
9. Fettstoffwechsel und Leberverfettung
Ein weiteres Forschungsgebiet betrifft den Fettstoffwechsel.
In Tierstudien wurde beobachtet, dass bestimmte Artemisia-annua-Extrakte Vorgänge rund um die Einlagerung von Fett in der Leber beeinflussen können. Dabei wurden auch Veränderungen von Entzündungswerten untersucht.
Fazit
Artemisia annua wird unter anderem in Verbindung mit oxidativem Stress, Entzündungsprozessen, Gelenken, Leberwerten, Immunreaktionen, Mikroorganismen, Haut und Stoffwechsel untersucht.
Ein großer Teil dieser Forschung befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium.